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Emilia Romagna kulinarisch: Reise durch Italiens Food Valley

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Keine Region Italiens bündelt so viele geschützte Spezialitäten wie die Emilia-Romagna: Unser Atlas verzeichnet 78 Herkunftsbezeichnungen, vom Parmigiano Reggiano DOP mit 285 registrierten Erzeugern bis zum Culatello di Zibello DOP mit gerade einmal 20. Die klassische Route folgt der Via Emilia: Parma und die Bassa für Schinken und Wurstwaren, Modena und Reggio Emilia für Balsamessig und Käse, Bologna für die Mortadella, die Romagna für Piadina und Albana-Wein. Fast alle Erzeuger lassen sich besuchen, doch fast überall gilt: vorher reservieren. Käsereien arbeiten im Morgengrauen, Acetaie liegen auf Dachböden von Familienhäusern, der Culatello reift in Kellern am Po. Planen Sie vier bis fünf Tage ein, mit Auto für das Land; die Bahn reicht nur für die Städte.

Warum die Emilia-Romagna Italiens Food Valley heißt

Der Beiname ist keine Erfindung der Tourismuswerbung. Unser Atlas zählt 78 geschützte Herkunftsbezeichnungen, die die Emilia-Romagna berühren: Käse, Wurstwaren, Essig, Wein, Obst, sogar Reis aus dem Podelta. Kein anderer Landstrich Italiens versammelt so viele geschützte Produkte in einem Korridor, den man in drei Stunden von Ende zu Ende durchfahren kann.

Wie lebendig das System bis heute ist, zeigen die Zahlen hinter den Siegeln. Allein der Parmigiano Reggiano DOP kommt in der Region auf 285 registrierte Erzeuger; der Grana Padano DOP, dessen Zone bis ins Gebiet von Piacenza reicht, steuert weitere 145 bei. Das sind keine Museumsstücke, sondern arbeitende Lieferketten, in denen Milch zweimal täglich abgeholt wird, 365 Tage im Jahr.

Und hier die ehrliche Einschätzung: Wer nur Zeit für eine einzige Genussregion in Italien hat, ist hier richtig. Die Toscana hat schönere Landschaften, das Piemonte hat Trüffel, aber nirgendwo sonst besichtigt man an einem einzigen Tag eine Käserei, einen Essig-Dachboden und einen Reifekeller dreier weltberühmter Produkte.

Parma und die Bassa: wo der Nebel am Werk ist

Parmas Ruhm gründet auf dem Schinken, der in Langhirano südlich der Stadt reift, wo die gepökelten Keulen in langen Hallen hinter Lamellenfenstern hängen. Prosciuttifici lassen sich das ganze Jahr über besichtigen, und der Rundweg der Musei del Cibo verbindet Schinken-, Parmigiano-, Salami- und Tomatenmuseen in der ganzen Provinz.

Der eigentliche Kult aber lebt nördlich der Stadt, in der flachen, nebligen Bassa am Po. Der Culatello di Zibello DOP hat in unserem Atlas nur 20 registrierte Erzeuger, und genau diese Knappheit ist der Punkt: Das Herzstück der Keule wird von Hand gebunden, in eine Hülle eingenäht und reift in feuchten Backsteinkellern, wo der Flussnebel eine Arbeit leistet, die keine Klimakammer nachahmen kann. In Zibello, Polesine Parmense und den umliegenden Dörfern bucht man Kellerbesuch und Mittagessen.

Um die beiden Giganten kreisen die kleineren Salumi: Coppa di Parma IGP mit 19 Erzeugern, Salame Felino IGP mit 13, weiter westlich das Trio aus Piacenza, Coppa Piacentina, Salame Piacentino und Pancetta Piacentina, drei eigenständige DOP mit je 12 Erzeugern. Wer wählen muss, wählt den Culatello-Keller statt der Prosciutto-Führung: kleinere Räume, ältere Geschichten, bessere Verkostungen.

Was lässt sich zwischen Modena und Reggio Emilia wirklich besichtigen?

Der Balsamessig ist der Grund für den Halt, doch man muss wissen, welchen man besucht. Der Aceto Balsamico di Modena IGP, die Flasche für den Alltag, zählt in unserem Atlas 48 Erzeuger. Die traditionellen DOP-Versionen sind eine andere Welt: gekochter Traubenmost, mindestens 12 Jahre gereift in Batterien von Holzfässern, die auf Dachböden lagern. Allein der Aceto balsamico tradizionale di Reggio Emilia DOP verzeichnet 47 registrierte Erzeuger, und die meisten Acetaie sind buchstäblich Familienhäuser, in denen die Fässer unter dem Dach wohnen. Vorab reservieren, die Gruppen sind klein.

Dasselbe Gebiet ist Parmigiano-Land. Die Käsereien öffnen für Besucher im Morgengrauen, meist zwischen 8 und 9 Uhr, denn dann wandert die Milch in die Kupferkessel. Zu sehen, wie ein 40 Kilo schwerer Laib in einer einzigen Bewegung aus der Molke gehoben wird, ist den frühen Wecker wert. Bei 285 Erzeugern in der Region findet sich in der Nähe von Modena oder Reggio Emilia leicht einer, der Führungen anbietet.

Dann ist da noch der Lambrusco, der lokale Rote mit dem zu Unrecht schlechten Ruf. Der Atlas führt drei zentrale DOC auf, Lambrusco di Sorbara, Lambrusco Grasparossa di Castelvetro und Lambrusco Salamino di Santa Croce, mit je 21 registrierten Erzeugern. Der Sorbara ist der helle, säurebetonte, gastronomische: Am Ursprung verkostet, lässt er die süße Exportversion schnell vergessen. Modena bringt außerdem Zampone Modena IGP und Cotechino Modena IGP auf den Tisch, je 20 Erzeuger, dazu den kleinen Prosciutto di Modena DOP mit 7.

Bologna, Ferrara und die Seite der Romagna

Bolognas Ikone ist die Mortadella Bologna IGP, 34 registrierte Erzeuger, eine Brühwurst, deren Schutzzone weit über die Stadt hinausreicht. Lassen Sie die austauschbaren Food-Touren im historischen Zentrum aus und fahren Sie zu einem Erzeuger, oder gehen Sie früh am Morgen zu den Marktständen des Quadrilatero, wenn die Läden noch die Einheimischen bedienen. Die Provinz baut außerdem die Patata di Bologna DOP an, mit 93 Erzeugern eine überraschend breite Basis, und die Hügel liefern den Colli Bolognesi Pignoletto DOCG, 82 Erzeuger eines frischen Weißweins.

Ferrara spielt in einem anderen Register: Die Coppia Ferrarese IGP, das gedrehte Sauerteigbrot, und die Cappellacci di zucca ferraresi IGP, gefüllte Kürbisnudeln, stammen aus der Renaissancestadt, während im Podelta der Riso del Delta del Po IGP wächst, 33 Erzeuger zwischen Lagunen und Flamingos.

Jenseits der Grenze zur Romagna wechselt der Ton erneut: Piadina Romagnola IGP, 11 registrierte Erzeuger plus unzählige Kioske, Squacquerone di Romagna DOP als Füllung und Romagna Albana DOCG, der goldene Weiße mit 120 Erzeugern, Italiens erster Weißwein mit DOCG-Status. Die Adriaküste ist der logische Schlusspunkt der Reise.

Wie viele Tage braucht man, und wie kommt man herum?

Vier bis fünf Tage decken den Kern ab. Ein Gerüst, das funktioniert: Tag eins Parma und Langhirano, Tag zwei die Bassa mit einem Culatello-Keller, Tag drei Modena mit Acetaia und Käserei im Morgengrauen, Tag vier Bologna, Tag fünf Ferrara oder die Küste der Romagna. Die Via Emilia und die parallel laufende Bahnlinie reihen Piacenza, Parma, Reggio Emilia, Modena und Bologna wie Perlen auf, die Züge dazwischen brauchen 20 bis 40 Minuten.

Die ehrliche Einschränkung: Die besten Besuche liegen nicht in den Städten. Acetaie, Käsereien und Culatello-Keller sitzen in Dörfern und offener Landschaft, wo der Nahverkehr dünn ist. Mieten Sie zumindest für die beiden Erzeugertage ein Auto, oder buchen Sie einen der Fahrer und Guides, die Käsereien und Konsortien empfehlen.

Die Jahreszeit zählt weniger, als man denkt, denn die Produktion steht nie still. Der Winter bringt den Nebel, der der Bassa und den Wurstwaren schmeichelt; später Frühling und September sind die angenehmen Monate. Der August ist die einzige Zeit, die man meiden sollte: Viele Familienbetriebe machen schlicht Ferien.

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FAQ

Muss ich Besuche in Parmigiano-Käsereien und Acetaie reservieren?

Ja, fast immer. Die Käsereien beginnen im Morgengrauen und empfangen kleine Gruppen etwa zwischen 8 und 9 Uhr; Acetaie sind Familienhäuser. Reservieren Sie mindestens ein paar Tage im Voraus, im Frühjahr eher mehr.

Was unterscheidet den Aceto Balsamico di Modena IGP vom tradizionale DOP?

Der IGP, 48 Erzeuger in unserem Atlas, mischt Weinessig und Traubenmost, reift kurz und kommt in normale Flaschen. Der tradizionale DOP ist reiner gekochter Most, mindestens 12 Jahre in Fassbatterien gereift und in einer versiegelten 100-ml-Ampulle verkauft. Andere Produkte, andere Preise.

Geht die Reise auch ohne Auto?

In den Städten ja: Die Züge entlang der Via Emilia verbinden Piacenza und Bologna in kurzen Etappen. Bei den Erzeugern nein: Käsereien, Acetaie und Culatello-Keller liegen auf dem Land, planen Sie für diese Tage einen Mietwagen oder Fahrer ein.

Reicht Bologna allein für ein Genusswochenende?

Zum Essen ja. Um die Food Valley zu verstehen, nein: Die Mortadella Bologna IGP wird von 34 besuchbaren Erzeugern hergestellt, aber für Parmigiano, Balsamessig und Culatello muss man die Stadt verlassen.

Wann ist die beste Zeit für eine Genussreise in die Emilia-Romagna?

Produziert wird das ganze Jahr, also funktioniert jede Saison. Später Frühling und September sind am angenehmsten; der Winternebel steht der Bassa und ihren Kellern gut. Meiden Sie nur Mitte August, wenn viele Familienbetriebe schließen.

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